7.8 Abflussregime

Der charakteristische mittlere Jahresgang des Abflusses eines Fließgewässers wird Abflussregime genannt. Das Abflussregime ist durch die klimatologischen, geologischen, pedologischen, geomorphologischen, vegetativen und anthropogenen Umweltfaktoren des betrachteten Einzugsgebietes bedingt. Die einzelnen Faktoren sind häufig miteinander gekoppelt (Baumgartner & Liebscher 1996).

Die Regimeklassifikation nach Pardé (1933) basiert auf

  1. der Speisungsart der Flüsse
    • pluvial (durch Regen gespeist)
    • nival (durch Schnee)
    • glazial (durch Gletscher)
    • Kombinationen z.B. nivo-pluvial, pluvio-nival, nivo-glazial
  2. der Anzahl der Abflussminima und -maxima
  3. dem Schwankungskoeffizienten der monatlichen Abflüsse: SK=MQMonat/MQJahr

Der Schwankungskoeffizient für Gletscherbäche liegt beispielsweise bei maximal 3-5.

Es wird unterschieden zwischen:

  1. Einfachen Regimen: pluvial oder nival oder glazial gespeist
  2. Original-komplexen Regimen: zwei oder selten drei Peaks, deren Ursache noch erkennbar sind
  3. Komplexen Regimen im eigentlichen Sinn: im Flussverlauf wechselnde komplexe Regime.
Abb. 7.22: Beispiele für einfache Regime (nach Marcinek & Rosenkranz 1996, verändert).
Abb. 7.23: Beispiele für original-komplexe Regime (nach Marcinek & Rosenkranz 1996, verändert).

Ein nivo-pluviales Abflussregime ist z.B. gekennzeichnet durch einen Hauptpeak bei Schneeschmelze und einen zweiten Peak durch Regen. Je kleiner ein Einzugsgebiet ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein einfaches Regime handelt. Die meisten größeren Ströme gehören zu den komplexen Abflussregimen im eigentlichen Sinne (3., auch komplexe Regime 2. Grades genannt). Der Rhein unterliegt an der Quelle einem glazialen Regime, bei Basel einem nivo-pluvialen mit zusätzlichem Einfluss der Seeretention durch den Bodensee, mit dem Neckarzufluss (pluvial) kommt ein kleines sekundäres Wintermaximum hinzu, der Mainzufluss verstärkt das Dezembermaximum und nach dem Zufluss der Mosel gibt es kein Winterminimum mehr.

L' Vovic (1964) entwickelte aus den vier Jahreszeiten und vier Speisungsarten (Schnee, Gletscher, Regen, Grundwasser) drei Gruppen der auf die Jahreszeiten entfallenden Speisungsarten (Abflussanteil pro Jahreszeit < 50 %, 50-80 % und > 80 %). Für die damalige Sowjetunion wurden 19, für die Erde 38 Regimetypen beschrieben. Es handelt sich um einen weitgehend klimazonenunabhängigen globalen Klassifikationsversuch.