8.5 Klassifikation von Gletschern

Zunächst eine Einführung zu Gletschern:

Gletscherkunde (Glaziologie) ist die Lehre von Entstehung und Wirkung des Eises und der Gletscher.

Gletscher sind Eisströme, die oberhalb der Schneegrenze in Firnmulden entstehen. In diesem Nährgebiet entwickelt sich der Schnee über Firn und Firneis zu Gletschereis. Dieses fließt mit Geschwindigkeiten von 1-2 cm/Std. Der Gletscher wird begrenzt unterhalb der Schneegrenze (Firnlinie) durch die Gletscherzunge im Zehrgebiet. Bei starkem Gefälle löst sich der Gletscher in einen Gletscherbruch auf. Fällt er über eine Felskante (Gletschersturz), bilden die Eistrümmer mitunter einen neuen Gletscher (regenerierter G.). Anstehendes Gestein wird abgeschliffen (G.schliff) oder zu Rundhöckern geformt. Diese Glazialerosion erweitert und übertieft außerdem Becken, Mulden und Täler, letztere bekommen einen trogförmigen Querschnitt.

Die Geschiebe werden als Moräne mittransportiert und abgelagert. Man unterscheidet Seitenmoränen (auch Ufer- oder Randmoränen), Mittelmoränen, die entstehen, wenn zwei G. zusammenfließen; Grundmoränen bestehen aus abgesunkenen und am G.boden ausgeschürften Geschieben. An der G.stirn entstehen Endmoränen (auch Stirn- oder Stauchmoränen). Das Schmelzwasser eines G. fließt teils auf der Oberfläche, teils in Tunneln oder an der G.sohle. Durch strudelnde Bewegung können im festen Gesteinsuntergrund Kolke (G.töpfe) und durch zusätzlich wirbelnd bewegte Geschiebe G.mühlen entstehen. Am Zungenende tritt das Schmelzwasser als G.bach aus G.toren aus. Es ist durch fein zerriebenes Gesteinsmaterial trübe (Gletschermilch). Zu den Gebirgs-G. zählen Tal- G., Hänge-G., Kar-G. u. a., daneben gibt es G.flächen, die nach vielen Seiten abfließen, untergliedert in Eiskappen, Plateau-G. und Inlandeis.

"In der Figur 12 auf Seite 34 des neuesten Berichts des Intergovernmental Panel on Climate Change1 erhalten Gebirgsgletscher als globale Temperaturindikatoren drei Sterne (IPCC WGI 1995). Diese drei Sterne bedeuten höchstes Vertrauensniveau. In der Tat gelten Gebirgsgletscher als Schlüsselindikatoren für Klimaänderungen, sozusagen als eine Art «globales Fieberthermometer». Zwei Gründe dürften dafür hauptverantwortlich sein, nämlich (a) die ausserordentliche Klarheit, Sichtbarkeit und Verständlichkeit des Phänomens Gletscherschwund und (b) die Möglichkeit, entsprechende Energieflüsse mit ihren vorindustriellen Schwankungsbereichen zu quantifizieren" (Haeberli, Prof. und Dir. des Welt-Gletscherbeobachtungsdienstes der ICSU und der UNESCO).

Folgende Möglichkeiten zur Klassifikation von Gletschern nach hydrologischen Gesichtspunkten werden verwendet: