8.10 Abflüsse

Die einzelnen Abflussanteile im Gesamtabfluss eines vergletscherten Einzugsgebietes können mit Tracern quantifiziert werden, z.B. mit Hilfe von flächenhaft eingetragenen Isotopen. So sind Schmelzwässer von Gletschereis, das aus Niederschlägen vor der Zeit der atmosphärischen Kernwaffentests stammt, praktisch "tritiumfrei", während das Schneeschmelzwasser den aktuellen 3H-Gehalt der Niederschläge aufweist (Moser & Rauert 1980). Die Abb. 8.11 aus Moser & Rauert (1980) zeigt beispielhaft die in der Ablationszeit tageszeitlich variierenden Anteile der einzelnen Abflusskomoponenten an der Abflussmessstation Vernagtferner (Ötztaler Aplen), die mit Hilfe von Mischungsgleichungen des 2H und 3H-Gehalts sowie der elektrischen Leitfähigkeit berechnet wurde. Allgemeine Informationen zur historischen Glaziologie finden sich ebenfalls bei Moser & Rauert (1980).

Abb. 8.11: Pegelstation Vernagtbach: Tagesgänge des Gesamtabflusses Q sowie des direktabfließenden Eis- (Q1) und Schneeschmelzwasseranteils (Q2), des länger zurückgehaltenen Schmelzwassers im Gletscher (Q3) und des Grundwassers (Q4) im Vernagtbach (Ötztaler Alpen), berechnet aus Messungen der 2H- und 3H-Gehalte, der elektrolytischen Leitfähigkeit und des Gesamtabflusses Q (Behrens et al. 1979, aus Moser & Rauert 1980, verändert).
Abb. 8.12: Messstation am Vernagtbach. Foto: ARD
Abb. 8.13: Abfluss aus dem Nigardsbreen, Norwegen. Foto: Jörg Dietrich