9.2 Hydrologische Eigenschaften von Seen

9.2.1 Wasserhaushalt

Ein See kann direkt mit dem Grundwasser in Austausch stehen sowie durch Flüsse gespeist und entwässert werden. Aus einem See findet Verdunstung statt, durch Niederschlag kommt Wasser hinzu. Der Wasserhaushalt eines Sees ist u.a. abhängig von morphologischen und klimatologischen Eigenschaften des Einzugsgebietes und der Beschaffenheit des Wassers (z.B. Temperatur, s.u.). Die Wasserhaushaltsgleichung eines Sees kann folgendermaßen formuliert werden:

Wasserhaushaltsgleichung eines Sees
E + R a , u + R a , o + Δ S = P + R z , u + R z , o
E Verdunstung
Ra,(o,u) Abfluss (o: oberirdisch, u: unterirdisch)
Rz,(o,u) Zufluss
S Rücklagenänderung
P Niederschlag

Ist die Verdunstungsverlust größer als der Zugewinn durch Niederschlag, kann es zu einer Anreicherung von Mineralstoffen und damit zu einer Versalzung des Sees kommen - muss aber nicht, je nach unterirdischer Wasserbilanz und der geogenen Verhältnisse.

9.2.2 Seeretention

Durch die Massenträgheit des im See befindlichen Wassers steigt bei steigendem Zufluss der Abfluss des Sees verzögert an. Die Abflusskurve eines Fließgewässers wird beim Durchfluss durch einen See also transformiert. Seen können (wie auch intakte Auenlandschaften) Hochwasserspitzen verringern und Niedrigwasserphasen überbrücken. Dieses Prinzip wird Seeretention genannt.

Seeretention wird genutzt für die Anlage künstlicher Hochwasserrückhaltebecken und Niedrigwasseraufhöhung aus Speicherseen.

Abb. 9.4: Schema der Seeretention. Den Flächen A1 und A2 entsprechen äquivalente Wasservolumina.